Suchtberatung bleibt „kommunal wertvoll“

05.11.2020

Wenn Menschen mit Suchtproblemen oder ihre Angehörigen nach Hilfe suchen, sind Suchthilfeberatungsstellen ein erster Anlaufpunkt. Nicht selten sind diese Rat suchenden Menschen in einer existenziellen Krise. Derzeit ist die Finanzierung der Beratungsstellen über die Kommunen in Niedersachsen an vielen Orten nicht gesichert.

„Wir sind in Sorge, dass angesichts der Corona-Pandemie, die Problematik der unzureichenden Finanzierung der Suchtberatungen aus dem Blickfeld von Verantwortlichen geraten könnte“, sagt Serdar Saris, Geschäftsführer der STEP Niedersachsen gGmbH, Trägerin von zwei Beratungsstellen in der Stadt Hannover. Die derzeitige schwierige Pandemie-Situation habe vielschichtige Auswirkungen innerhalb unserer Gesellschaft. „Die Beratung von Suchtkranken und ihren Angehörigen ist nicht weniger relevant geworden“, so Saris. Erste Erhebungen weisen auf nachweisbare Anstiege im Bereich Alkohol- und Drogenmissbrauch hin.

„Kommunal wertvoll“ lautet deshalb das Motto des ersten bundesweiten Aktionstags Suchtberatung, an dem sich auch die Beratungsstellen der STEP beteiligen. Ziel des Aktionstages ist es, Suchtberatungsstellen und Politik in den Kommunen miteinander in einen Dialog zu bringen. Dabei soll vor Ort auf die Dringlichkeit der kommunalen Weiterfinanzierung und die Zukunftssicherung der Suchtberatungsstellen aufmerksam gemacht werden. „Suchtberatung ist Daseinsvorsorge. Sie ist systemrelevant, da betroffene Menschen auf eine professionelle Beratung vor Ort angewiesen sind. Zu uns kann jeder kommen und mit erfahrenen Suchtberatern sprechen. Er oder sie darf anonym bleiben. Das ist bei Suchterkrankungen sehr wichtig, da diese mit Scham und Schuld besetzt sind“, sagt Katrin Albers, Leiterin der FAM (Fachstelle für Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit) in Hannover. „Viele lassen nur aufgrund der anonymen und leicht zu erreichenden Beratungsmöglichkeit hier bei uns einen erfahrenen Suchtberater an sich heran. Das ist ein wesentlicher Teil unserer Qualität. So können wir sehr häufig das Leben von Betroffenen stabilisieren, in den Familien die Situationen verbessern und nicht zuletzt auch Kinder im nahen Umfeld schützen.“

Bereits Anfang dieses Jahres hatten die niedersächsischen Träger und Verbände der ambulanten Suchthilfe der Freien Wohlfahrtspflege einen Hilferuf veröffentlicht, da die Finanzierungszuwendungen des Landes Niedersachsen und einzelner Gebietskörperschaften zur Unterstützung der Arbeit der Suchtberatungsstellen lange Zeit stagnierte – während Personal- und Sachkosten in den letzten Jahren stetig gestiegen sind. Im Februar 2020 hieß es: „Die Differenz zwischen Zuwendung und tatsächlichen Kosten gefährdet den Bestand der Beratungsstellen“.

Die Beratungsstellen Drobs Hannover und FAM in Hannover sind zwei von neun Suchtberatungen der STEP Niedersachsen gGmbH in 16 Kommunen. Mit fast 500 Mitarbeitenden ist die STEP der größte Suchthilfeträger in Niedersachsen. Seit den 70er Jahren entwickeln die Mitarbeiter*innen der STEP zeitgemäße Konzepte zur Gesundheitsförderung in der Suchtprävention und Suchthilfe. Die Basis der STEP ist das Engagement von Menschen für Menschen. Auf den Aktionstag weist jede Beratungsstelle der STEP auch in Form eines persönlichen Fotos mit Statement hin: https://step-niedersachsen.de/veranstaltungen/aktionstag-suchtberatung-2020-kommunal-wertvoll

Die bundesweite Schirmherrschaft für den ersten Aktionstag Suchtberatung hat die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Daniela Ludwig übernommen. Die Ambulante Suchthilfe in Niedersachsen steht finanziell auf vier Pfeilern: Den größten Teil der Kosten tragen die Kommunen und das Land Niedersachsen, die Träger bringen Eigenmittel ein und die Sozialversicherung trägt die Kosten für eine ambulante Rehabilitation.

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