Magazin: Corona-Virus

Tipps zur Vermeidung von eskalierendem Streit zwischen Eltern und Kindern

Unsere Kollegin Martina Stilhammer aus der Drobs Hannover hat 5 Tipps für Sie zusammengestellt.

5 Tipps, um ruhig zu bleiben:

Die CORONA Zeit ist selbst für Eltern ohne Suchterkrankung eine große Herausforderung. Umso schwieriger ist die Situation für Menschen mit Suchterkrankung und deren Kinder. Manchmal ist man einfach überfordert mit den eigenen Sorgen, der eigene Stresslevel ist hoch und man verliert die Beherrschung. Es passiert, dass wir unsere Kinder beschimpfen, obwohl wir das nicht wollen. Danach haben wir oft ein schlechtes Gewissen. Seien Sie sicher, dass passiert jedem Mal. Niemand ist perfekt. Aber jeder kann dazu lernen. Wir schlagen Ihnen hier ein paar Tipps vor, die Sie nutzen können; bevor das Fass überläuft

Tipp 1: Der Mundreißverschluss

Wenn Sie merken, dass sie gleich überkochen und anfangen wollen zu schimpfen, ist es das Beste den Mund zu verschließen. In der Situation kommt meist nichts Gutes heraus und sie bedauern das Gesagte später. Stellen Sie sich einen Reißverschluss vor, mit dem Sie Ihren Mund zuschließen. Sagen Sie ihrem Kind, dass es das Gesagte vergessen soll und Sie erst einmal in Ruhe über die Situation nachdenken wollen, um später darüber in zu sprechen.

Tipp 2: Zurück spulen

Manchmal möchten wir die Zeit zurückdrehen, weil wir gerne anders reagiert hätten. Ok, das mit dem Zeit zurückdrehen ist schwierig. Aber stellen Sie sich in Ihren Gedanken doch einmal vor, die Szene wie in einem Film zurück zu spulen und noch einmal von vorne zu beginnen. Sie sind der Regisseur. Vorher atmen Sie 3 Mal tief durch und bedenken, dass auch Sie mal ein Kind waren. Übrigens, tief atmen hilft in vielen Situationen

Tipp 3: Dies ist kein Notfall

Kurz bevor wir die Beherrschung verlieren, möchte unser Gehirn automatisch in einen Notfallmodus schalten. Aus unserer menschlichen Entwicklung hat das Gehirn gelernt, in solch einer Situation mit KAMPF, FLUCHT oder ERSTARREN zu reagieren. Vor uns steht der große Säbelzahntiger und will uns angreifen. Also geht es darum sich zu verteidigen.

Im Zusammenhang mit unseren Kindern bewertet unser Gehirn die Situation allerdings falsch. Unsere Kinder sind weder Feind noch Gefahr, sie bedrohen uns nicht, unser Überleben ist nicht gefährdet! Und somit müssen wir gar nicht in diesen Notfallmodus schalten.

Und genau das teilen wir jetzt unserem Gehirn mit. Wir sagen innerlich: „Dies ist kein Notfall! Mein Kind ist mein Freund!“ Wiederholen Sie diese Sätze wie ein kleines Mantra.

Tipp 4: Bringe dein System durcheinander

Eine weitere Möglichkeit, um aus dieser Situation herauszukommen ist, Ihr System durcheinander zu bringen. In dem Sie etwas Verrücktes machen

  • Legen Sie sich flach auf den Boden und strecken Arme und Beine von sich und gähnen
  • Machen Sie einen Hampelmann
  • Sie fangen an zu lächeln oder zu lachen. Setzen Sie sich und Ihrem Kind in Gedanken Clownsnasen auf.

Das hat zusätzlich den Vorteil, dass Lachen Stress abbaut und Glückshormone ausschüttet. Ihrem Nervensystem wird so klar signalisiert: Es besteht kein Notfall!

Probieren Sie es einfach mal aus. Vermutlich wird es Ihr Kind verwundern und bestenfalls können sie gemeinsam darüber lachen.

Tipp 5: Stopp-Zeichen

Für alle Tipps, die bisher beschrieben sind, ist die Voraussetzung, dass Sie selbst bemerken, dass Sie gleich in den Schimpfstrudel hineingezogen werden. Oftmals ist unser Gehirn bereits so im Notfallmodus gefangen, dass wir unser Schimpfen gar nicht mehr bemerken. In solchen Fällen hilft ein Stopp-Zeichen.

In einer Zeit wo alles gut läuft, besprechen Sie die Idee eines Stopp-Zeichens oder auch irgendein anderes Zeichen – malen Sie vielleicht gemeinsam ein Schild oder suchen Sie gemeinsam ein Symbol aus. Vielleicht entwerfen sie ein Schimpfmonster- der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Wenn Ihrem Kind Ihre Reaktion zu heftig ist und Sie aufhören sollen zu schimpfen, gibt Ihnen Ihr Kind dieses Zeichen, das sie gemeinsam gefunden haben.

Ermutige Sie bitte ihr Kind, das vereinbarte Stoppzeichen einzusetzen und sobald Ihr Kind Ihnen dieses Zeichen gibt, wissen Sie, dass Sie seine Grenzen überschreiten werden, wenn Sie nicht sofort aufhören zu schimpfen. Jetzt ist es allerhöchste Eisenbahn, Ihren Mund zu verschließen und erstmal zu schweigen.

Noch mehr Tipps

Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, wie Sie es schaffen können ruhig zu bleiben. Wie zum Beispiel:

  • langsam bis 10 zählen,
  • sich eine Weile auf die Atmung konzentrieren
  • 3 tiefe Atemzüge nehmen
  • einfach kurz den Raum verlassen – wenn es das Alter Ihrer Kinder zulässt.

Und vergessen Sie nicht, es ist wichtig und in Ordnung Ihrem Kind auch klare und nachvollziehbare Grenzen zu setzen. Das gibt Kindern auch Sicherheit.

Kommen Sie gut durch diese Zeit und scheuen Sie sich nicht uns anzurufen. Wir sind für Sie da.